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Die „Mystiker des Geistes“ und die „Mystiker der Muskeln“ (im Buch „Der Streik“)

„Das Gute, so die Mystiker des Geistes, ist Gott, ein Wesen, das allein mit dem Hinweis darauf definiert wird, dass es jenseits der menschlichen Vorstellungskraft liege. Damit wird das Bewusstsein des Menschen entwertet, und seine Vorstellungen von Existenz werden für nichtig erklärt.

Das Gute, so die Mystiker der Muskeln, ist die Gesellschaft, ein vermeintlicher Organismus ohne physische Ausprägung, ein Überwesen, das durch niemanden im Besonderen, doch durch jedermann—man selbst ausgenommen—im Allgemeinen verkörpert wird.

Der Verstand des Menschen, so die Mystiker des Geistes, ist dem Willen Gottes unterzuordnen. Der Verstand des Menschen, so die Mystiker der Muskeln, ist dem Willen der Gesellschaft unterzuordnen. Der Wertmaßstab des Menschen, so die Mystiker des Geistes, ist das Wohlgefallen Gottes, dessen Maßstäbe für den Menschen unbegreiflich und im Glauben anzunehmen seien. Der Wertmaßstab des Menschen, so die Mystiker der Muskeln, ist das Wohlgefallen der Gesellschaft, deren Maßstäbe der Mensch sich nicht zu beurteilen anmaßen dürfe, sondern nach denen er sich kategorisch zu richten habe.

Beide behaupten, das Ziel des menschlichen Daseins bestehe darin, zu einem unterwürfigen lebenden Toten zu mutieren, der aus Gründen, die er nicht zu hinterfragen hat, einem Zweck dient, den er nicht kennt. Seinen Lohn werde er im Jenseits empfangen, so die Mystiker des Geistes. Seinen Lohn werden im Diesseits einst seine Urgroßenkel empfangen, so die Mystiker der Muskeln.

Beide behaupten, Selbstsucht sei für den Menschen böse. Beide behaupten, es sei für den Menschen gut, seine eigenen Wünsche aufzugeben, sich selbst zu verleugnen, Entsagung zu üben und sich zu ergeben. Es sei für den Menschen gut, das Leben, das er lebt, zu negieren. Beide rufen, der Kern aller Moral sei Opferbereitschaft, denn sie sei die höchste dem Menschen erreichbare Tugend.

Ihr, die ihr mich jetzt hört, ihr, die ihr zu den Opfern gehört und nicht zu den Schlächtern, ich wende mich an euch am Totenbett eures Verstandes, an der Schwelle zu jener Finsternis, in der ihr ertrinkt, und falls ihr noch die Kraft habt zu kämpfen und euch an jene verglühenden Funken zu klammern, die aus eurem vergehenden Dasein schlagen—nutzt sie jetzt. Das Wort, das euch zerstört hat, lautet ‚Opfer’. Nutzt eure letzte Kraft, um seine Bedeutung zu verstehen. Noch lebt ihr. Noch habt ihr eine Chance.“

 

2 Comments

  1. Torsten Hunke wrote:

    Die Philosophie könnte uns vor dem Kommenden bewahren. Nur sind wir blind sie zu sehen.

    Es gab in allen Zeiten Menschen, welche in die Ideenwelt abtauchten und Erkenntnis erlangten. Es war ihnen leider nie bestimmt, diese Erkenntnisse mit ihren Mitmenschen teilen zu können. Erst viele Generationen später, wenn überhaupt, erkannte man das ungeheuer Wertvolle in ihren Worten. Menschen wie Eugen Böhm von Bawerk, Ludwig von Mises, Ralph Nelson Elliott und Ayn Rand, um nur wenige zu nennen, haben etwas Unschätzbares erkannt. Das Wesen des Menschen als Individuum und in der Masse. Nicht die heeren Ideale, nach denen wir indoktriniert streben sollen. Diese Menschen wurden aber leider niemals ernstgenommen oder von ihren Gegenspielern benutzt oder ins Lächerliche gezogen. Zum Beispiel hat Alan Greenspan, ein bekennender Fan Ayn Rand`s, den Kapitalismus in den USA zu Grabe getragen. Und ein John Maynard Keynes dachte in seiner Arroganz nicht über die Zeilen Ludwig von Mises nach. Er lies sich lieber für das Chaos bezahlen, welches er anrichtete. Ein Chaos, für das wir alle noch bezahlen werden. Die Welt, wie sie heute ist und das Bild, welches wir von ihr haben, könnte unterschiedlicher nicht sein. Aber mit Blindheit geschlagen, verkriechen wir uns lieber ganz tief im Kaninchenfell und hoffen, das alles beim Alten bliebe. Nur diesen Gefallen wird uns das Leben nicht tun.

    Montag, Januar 9, 2012 at 10:27 | Permalink
  2. Ein Zitat von Gerard Depardieu, gerichtet an den Sozialisten Hollande, das aber genauso von „John Galt“ stammen könnte:

    „Ich gehe, weil Sie der Ansicht sind, dass der Erfolg, die Schaffenskraft, das Talent, im Grunde: der Unterschied, bestraft werden müssen“
    Gerard Depardieu

    Freitag, Dezember 21, 2012 at 10:09 | Permalink

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